Passend zum „Tag für mehr Internetsicherheit“ fand am 11. Februar in der Theodor-Heuss-Realschule ein Interview mit Polizeihauptmeisterin Frau Bodzena Grodzicki statt. Eine 8.Klasse arbeitet aktuell an einem Projekt passend zu der Kampagne der Landesregierung „Bitte was?! – Kontern gegen Fake & Hass“ und nimmt mit einem Beitrag am dortigen Wettbewerb teil.

Vier Schülerinnen durften Frau Grodzicki zum Thema „Cybermobbing“ befragen. Unter Cybermobbing versteht man das absichtliche Beleidigen, Bedrohen, Bloßstellen oder Belästigen anderer mithilfe von Internet- und/oder Handys über einen längeren Zeitraum hinweg. Auch gezieltes Ausschließen von (Chat-) Gruppen gehört mit dazu, ebenso wie das Verbreiten von Gerüchten. Durch die heutige Schnelllebigkeit, auch von Informationen und die Anonymität im Netz bieten sich ganz neue, schlimme Möglichkeiten, um andere Menschen „fertig zu machen“.

Frau Grodzicki machte am Anfang des Interviews deutlich, dass jeder von Mobbing betroffen sein kann und dass die Betroffenen nie selbst Schuld daran haben, dass sie gemobbt werden. Des Weiteren gibt sie den Schülerinnen Hilfestellungen, wie man versuchen kann sich vor Cybermobbing zu schützen. Tipps sind zum Beispiel, dass keine Freundschaftsanfragen von fremden Personen angenommen, keinerlei persönliche Daten herausgeben werden und ein vorsichtiger Umgang mit Bildern und Videos, welche verschickt werden, gewährleistet sein muss. Frau Grodzicki weist darauf hin, dass Bilder und Videos nie ganz aus dem Internet gelöscht werden können, weshalb sie nachvollziehen kann, dass viele keine Strafanzeige stellen, wenn sie von Cybermobbing betroffen sind. Eine Anzeige würde zwar dazu beitragen, dass gegen die Täter strafrechtlich vorgegangen wird, allerdings würde es das eigentliche Ziel der Opfer (das die Bilder z.B. gelöscht werden) nicht erreichen.

Die Polizei rät außerdem, dass Betroffene nicht im Internet auf beleidigende Kommentare reagieren, sondern (wenn möglich) den Schreiber der Hasskommentare lieber persönlich ansprechen sollen. Des Weiteren sollen sich Betroffene an Freunde bzw. Eltern, Lehrer oder an die Schulsozialarbeit wenden, um Unterstützung zu erhalten. Wenn das Mobbing ein gewisses Maß überschreitet kann auch die Polizei hinzugezogen werden.

Sehr überraschend für die Schülerinnen war, dass (Cyber-) Mobbing an sich keine Straftat darstelle. Frau Grodzicki erklärte, dass dies ein komplexerer Tatbestand sei und unter Mobbing verschiedene Strafbestände, wie z.B. üble Nachrede, Beleidigung, Verleumdung, Körperverletzung, Verletzung der Urheberrechte, Sachbeschädigungen, etc. gehören. Aus diesem Grund kann die Polizei nicht genau beziffern, wie viele Anzeigen aufgrund von (Cyber-)Mobbing eingehen.

Ebenfalls sehr interessant war für die Schülerinnen ein Fall von Cybermobbing, welcher unter einer sechsköpfigen Mädchengruppe stattfand und von dem Frau Grodzicki berichtete. Die Mädchengruppe einer fünften Klasse traf sich für eine Pyjamaparty. Hierbei machten die Mädchen „sexy Fotos“ in Unterwäsche voneinander. Eines der Mädchen wurde anschließend vom Rest der Gruppe beleidigt und es wurde Witze über sie gemacht. Des Weiteren wurde sie damit erpresst, dass ihre Bilder in die Klassengruppe gepostet werden, wenn sie nicht einen entsprechenden Betrag bezahlt. Dieser Fall blieb Frau Grodzicki aufgrund des Ausmaßes und des jungen Alters der Schülerinnen in Erinnerung.

Das Thema „Cybermobbing“ ist sehr komplex, weiß auch Schulsozialarbeiterin Pamela Schilli. Wichtig ist einerseits der präventive Ansatz und andererseits im Falle eines Falles eine gute Zusammenarbeit zwischen Schule und Elternhaus. An der Theodor-Heuss-Realschule findet präventiv dazu in der 6.Klasse das Programm „Kids online“ mit der Polizei statt, bei dem sowohl aktiv mit den Schülerinnen und Schülern gearbeitet, als auch ein thematischer Elternabend angeboten wird. Auch in den Fächern „Medienbildung“ (Klasse 5) und „Informatik“ (Klasse 7) wird das Thema „Gefahren im Internet“ behandelt. 

Im Frühjahr 2020 wird erstmals ergänzend noch für alle interessierten Eltern und Lehrkräfte ein Vortrag von der Kommunikations- und Erziehungswissenschaftlerin und Medienautorin Janine Dietrich stattfinden, der vom Förderverein der Schule finanziert wird.

Findet Cybermobbing in der Realität statt, sollten Schülerinnen und Schüler sowie die Eltern sich immer sofort vertrauensvoll an die Schule wenden und gemeinsam nach Lösungen suchen. „An der „Theo“ haben wir damit gute Erfahrungen gemacht“, so Pamela Schilli. „Wenn die Vertrauensbasis stimmt, trauen sich Kinder und Jugendliche auch sich zu melden, wenn es ihnen nicht gut geht. Dazu ist es auch wichtig, dass sie wissen, dass die Schule zum Thema „Cybermobbing“ eine klare Haltung vertritt. Bekommen wir Fälle mit, gehen wir sehr offensiv damit um. Da kann es durchaus sein, dass die Polizei von unserer Schulleitung mit dazu geholt wird. Leider haben in den letzten Jahren die Probleme mit Cybermobbing massiv zugenommen – auch weil mittlerweile jeder Schüler ein Smartphone besitzt.

Hier sind vor allem die Eltern gefragt, ihren Sprösslingen einen angemessenen und sicheren Umgang mit den Smartphones beizubringen und vorzuleben. Viele Fälle ließen sich vermeiden, wenn Eltern ihre Kinder im „Smartphone- und Internet-Dschungel“ nicht völlig alleine ließen, sondern Interesse bekunden und sich auch mal zeigen lassen, was grade in Klassenchats so alles rumgeschickt wird.“, rät Pamela Schilli. Hilfreiche Tipps für Schüler*innen und Eltern gibt es auch im Internet auf den Seiten www.klicksafe.de oder www.schau-hin.info.

Cybermobbing macht krank und darf nicht bagatellisiert werden. Viele betroffene Kinder und Jugendliche haben Angst in die Schule zu gehen.