Baal Novo, Eurodistrikt Theater

„Okay, bringen wir es hinter uns. Ich gebe euch fünf Minuten. Fünf von fünfundvierzig, da könnt ihr nicht sagen, ich wäre nicht großzügig. Fünf Minuten, in denen könnt ihr mit mir machen, was ihr wollt.“

Die 28 Schülerinnen und Schüler der Klasse 8d an der „Theo“ gucken sich gegenseitig irritiert an. Klassenlehrer Tobias Danner und Schulsozialarbeiterin Pamela Schilli hatten ein Theaterstück angekündigt mit den Worten „Lasst euch mal überraschen“. Und jetzt steht da einer vorne in ihrem Klassenzimmer, der behauptet ein neuer Schüler zu sein und provoziert und fordert es geradezu heraus, dass man „ihn blöd anmacht“. 45 Minuten lang monologisiert Jungschauspieler Marcus Westhoff im Klassenzimmer der 8d – 45 Minuten, in denen die Schülerinnen und Schüler empört sind, lachen, nachdenken, Mitleid haben und auch mal rumpöbeln, und miteinander flüstern – aber alles mit einer 100%igen Aufmerksamkeit auf das, was dort vorne vor ihrer Tafel geschieht. Egal wie die Schüler reagieren – „der Neue“ steigt drauf ein, Dialoge und Interaktion entstehen. Authentisch und ganz nah an den Jugendlichen dran. Mit dem Stück „Erste Stunde“ greift der Autor Jörg Menke-Peitzmeyer aktuelle und allgegenwärtige Themen wie Mobbing, Ausgrenzung und Gewalt auf – auf eine jugendgerechte Art mit einer Portion Humor und ohne erhobenen Zeigefinger.

Schulsozialarbeiterin Pamela Schilli sieht das Stück als einen wichtigen und wertvollen Baustein in der Gewaltprävention. Vor allem durch die theaterpädagogische Nachbearbeitung mit Florence Herrmann von Baal Novo, die die Schülerinnen und Schüler durch geschicktes Fragen und Übungen zum Nachdenken anregt. Wo fängt Mobbing an? Ist Gewalt schon Mobbing? Und wer aus der Klasse positioniert sich wo, wenn es um lebensechte Fallbeispiele geht, die jeder aus der Klasse so schon mal erlebt hat? Immer wieder geht es darum, dass jemand „ausgelacht“ wird. Mitlachen? Ignorieren? Selbstbewusst zu einem neuen Haarschnitt stehen? Die Meinungen, wie man damit am besten umgeht, gehen auseinander. Was jedoch am Ende der Stunde bleibt ist das feine Wörtchen EMPATHIE. Und die Erkenntnis „Ich bin wie ich bin und das ist gut so!“.

Pamela Schilli