Im Schuljahr 2015 / 2016 startete erstmals an der Theodor-Heuss-Realschule in einer 5.Klasse das Pilotprojekt „Ruhe und Lärm“. Jedes Kind bekam seinen persönlichen Gehörschutz in Form von geräuschunterdrückenden Kopfhörern zur Verfügung gestellt. Ziel ist es, dass die Kinder sich selbst Ruhe zum Arbeiten schaffen können und dadurch eine ruhigere Arbeitsatmosphäre entsteht. Dadurch ist eine bessere Konzentration und weniger Ablenkung möglich und folglich auch eine Stressreduktion.

Das Projekt wurde von der Schulsozialarbeit begleitet, evaluiert und ausgewertet. Vielen Kindern fällt es schwer, sich wirklich gezielt zu konzentrieren und in Ruhe etwas zu schreiben. In einer großen Klasse gibt es zahlreiche Dinge, die ablenken, selbst wenn die Klasse diszipliniert ist: Rascheln von Blättern, Stühle, die geschoben werden, Getuschel eines Sitznachbarn etc… Häufig ziehen Geräusche immer lautere Geräusche nach sich. Dieses Phänomen nennt man den „Lombard-Effekt“ – wenn ein Sprecher bei Vorhandensein von Hintergrundlärm seine Lautstärke und meist auch seine Tonlage erhöht. Permanenter Krach erzeugt Stress und darunter leiden heute zahlreiche Schülerinnen und Schüler. In einer Umfrage in der Pilotprojekt-Klasse hat sich mehr als die Hälfte der Klasse gewünscht, dass es in den Stillarbeitsphasen leiser sein sollte. Erschreckend fand Schulsozialarbeiterin Pamela Schilli, dass bereits in den 5.Klassen zahlreiche Schüler Lärm in der Schule mit eigenen Kopfschmerzen in Verbindung bringen.

„Lernen soll schließlichFreude machen und Motivation auf mehr wecken – und nicht vermehrt Stress erzeugen“, so Pamela Schilli. Sie ist überzeugt von der Nutzung der Kopfhörer, die die Schülerinnen und Schüler in Stillarbeitsphasen freiwillig benutzen können. „Es geht hier auch Selbstwahrnehmung und um eine bewusste Entscheidung für konzentriertes Lernen und damit auch um Eigenverantwortung für das Lernen und die Lernatmosphäre. Ruhe soll als wertvolles Gut wahrgenommen werden.“

Erfreulich ist, dass die Hälfte der Test-Klasse die Kopfhörer regelmäßig genutzt und ausprobiert hat und die Wirkung als wohltuend und erholsam empfunden hat. Wie das Projekt weiter geführt wird, muss im neuen Schuljahr noch überlegt werden. Einige Schüler meldeten zurück, dass sie sich zwar mehr Ruhe wünschen, die Kopfhörer aber als unangenehm beimTragen empfanden. Dort muss noch über eine andere Lösung nachgedacht werden.

Die Idee für das Pilotprojekt entstand während eines fachlichen Austausches der Schulsozialarbeiterin mit Lehrkräften, die an der Theodor-Heuss-Realschule dasKonzept „Individuelle Lernen“ (weiter)entwickeln.